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Vortrag Prof. Dr. Hans Wocken


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Gemeinsam veranstalteten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Arbeitsgemeinschaft Inklusion Gemeinsam leben – gemeinsam lernen Heidenheim e.V. am 24. Februar 2016 einen Vortragsabend mit Prof. Dr. Hans Wocken. Unter dem Titel »Die inklusive Schule – warum und wie?« erläuterte der Professor für Lernbehindertenpädagogik, früher Universität Hamburg, die Gründe, die für einen inklusiven Unterricht für alle Kinder sprechen. Nach einer inhaltlichen Klärung der Begriffe Integration und Inklusion griff er die Grundfragen einer inklusiven Pädagogik auf: Was zeichnet eine inklusive Pädagogik aus? Was charakterisiert inklusiven Unterricht und wie sieht eine inklusive Bildungslandschaft aus?

Über 70 Zuhörer und Zuhörerinnen, darunter viele Eltern, Lehrer und Studierende hatten sich im Katholischen Gemeindezentrum St. Maria eingefunden, um von Prof. Dr. Hans Wocken umfassend und anschaulich in das Thema Inklusion eingeführt zu werden.

Der Vortrag von Prof. Dr. Hans Wocken stieß auf großes Interesse. Prof. Wocken gelang es in sehr anschaulicher Weise, das Wesen der Inklusion zu verdeutlichen. Kompetent und engagiert und mit eindrücklichen Zitaten historisch relevanter Erzieher und Pädagogen, wie J. H. Pestalozzi und Maria Montessori, schlug er einen Bogen vom Anbeginn der Pädagogik bis zum heutigen Tage. Mit bildhaften Gleichnissen und vielen einprägsamen Comics und Bildern erhellte er die Vorzüge einer inklusiven Erziehung.

Inklusion bedeute, so Prof. Wocken, nichts anderes als die Annahme eines jeden Kindes. Ausführlich erläuterte Prof. Wocken warum Inklusion sein müsse. Inklusion sei Friedenserziehung, Gebot der Chancengleichheit – das stehe so im Grundgesetz – und Inklusion sei völkerrechtlich verbindende Aufgabe. Im Übrigen wies Wocken darauf hin, dass auch der Umgang mit Flüchtlingskindern im Grunde nichts anderes bedeute. Auch hier gelte die Annahme eines jeden Kindes.

Wocken selbst war von 1980 bis 2008 Professor für Lernbehindertenpädagogik und für Integrationspädagogik. In dieser Zeit initiierte und begleitete er in Hamburg Schulversuche wie Integrationsklassen und integrative Regelklassen. Seit seiner Emeritierung ist er deutschlandweit als Botschafter für Inklusion im Einsatz.

Als letztes von neun Geschwistern konnte Wocken aus eigener Erfahrung die Worte von J.H. Pestalozzi aus seinem Stanzer Brief von 1799 nur unterstreichen. »Die Menge der Ungleichheit der Kinder erleichterte meinen Gang«, denn hier beschrieb dieser, wie sich die Kinder gegenseitig in der Einklassenschule halfen und sich austauschten. Kinder seien gute Lehrer und Kinder lernten gut von anderen Kindern. Inklusion mache schlau und sei, da ist Wocken sich sicher, auch etwas für begabte und hochbegabte Kinder: »Wir müssen alle miteinander können!«

Eindringlich und leidenschaftlich appellierte er an seine Zuhörer: »Jeder Mensch ist etwas Besonderes!« Und zwar unabhängig, welches Geschlecht, welches Alter, welche Ethnie, welche Begabungen und welche soziale Herkunft er habe.

Ganz klar manifestierte Wocken: »Die Schule muss sich an die Kinder anpassen. Nicht die Kinder an die Schule.«

Und wie muss Schule nun nach Wocken aussehen? Eine Schule für alle, Ganztagesschule (um die Eltern (von behinderten Kindern) zu entlasten, eine Schule ohne Noten, ohne Klassenarbeiten, ohne Tests, ohne Sitzenbleiben und ohne Rankings. Jedes Kind lerne individuell und zieldifferent. Lerntagebücher, Selbsteinschätzungen, individuelle Lernschritte seien Methoden der besseren Art. Das Gleichnis vom guten Hirten diente Wocken zur Erkenntnis: »Zwei Hirten (pro Klasse) wären auch nicht schlecht! Unter dem Dach der Inklusion befindet sich, nach Wocken, das Haus der Vielfalt, bestehend aus: Vielfalt der Kinder, Vielfalt des Unterrichts und Vielfalt der Pädagogen.

Hans Wocken: Haus der Vielfalt

Zahlreich nahmen die Zuhörer die Gelegenheit wahr, nach Ende des Vortrages noch Fragen zu stellen und Anmerkungen zu machen.

Heidrun Bäuerle


Wer die Präsentation des Vortrages nachlesen möchte, kann dies unter Wocken-Basics tun.

Und wer noch mehr von Prof. Dr. Hans Wocken zum Thema Inklusion erfahren möchte, der findet auf seiner Internetseite noch eine ganze Reihe Informationen.

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